en passant

Mit Händen, Beinen, Minik und Gestik versuche ich ihm zu erklären. Immer wieder suche ich seinen Blick, während er auf meine Füße schaut, auf meine Hüfte, die Wege meiner Hand. Worte kleiden Bewegung, wie Sandalen Füße im Winter.
Ich schaue in seine leeren Augen, die nur dem Anschein nach durch mich durchsehen.
- Это всё, höre ich mich sagen und sehe sein Nicken, das nur vom Zucken seiner Schultern zu kommen scheint.
Meine Hände unterstreichen weiter Worte, als wollte ich renovieren. Und dieses Mal brauche ich etwas länger.
- Wieso verstehst du Russisch, lässt mein Hirn mich schneller sagen, als ich selbst den Gedanken fassen kann. Ein Bayer in Brandenburg.
- Mein Papa ist Russe, sagt er und ich nicke.
Er fragt weiter nach Schrittfolgen, ich versuche weiter Hüftbewegungen zu erklären, zu zeigen. Und unsere blauen Flecken zeigen, dass da Ansätze von Verstehen sind. Und manches etwas länger dauert.
- Und wieso sprichst du eigentlich Russisch, fünf Minuten und ein paar blaue Flecken später.
- Ich bin Ossi, sage ich, als wäre das eine Erklärung und schiebe nach: sechs Jahre Russisch in der Schule.

Und während wir lachen und Vokabeln austauschen, frage ich mich, ob das nicht oft genug so ist, dass wir krampfhaft Worte suchen, in den Wolken, in allem, was unsere Vergangenheit für uns bereit hält oder in uns selbst.
Und dann nur durch Zufall gemeinsame Worte finden, eine Sprache, die wir alle sprechen, eine Musik, zu der wir alle tanzen. Oder singen. Lass uns singen.

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