VÖT

Früher haben wir auch angestanden. Stundenlang.
Und haben gelacht über Karriereplan, Hausbauwahn, Langeweile und Kundenfang.
Waren Tage um Tage abgewiesen worden, hatten immer wieder gefragt, in Horden.
Stets hieß es auf unsere Frage: morgen.
Kommt morgen wieder.
Wir rauchten Papas Schachtel leer und tranken gegen Sorgen Tequilla,
die nur geborgt waren irgendwoher und wie Bumerangs kamen sie wieder,
Wie diese Lieder.
 
Für die wir hier anstanden, in Sonne und Regen,
in langen Schlangen, quer über Wege.
Wie wir da standen, für etwas von dem ich annehme,
es ist eh nur geborgt, nie erstanden, doch heute: gestreamt, geleakt, geliked
werden wir versorgt, mit und von dieser Quelle die versiegt und sich teilt,
in Vinyl und Dateien, in Mixtapes und Playlists
doch jeder Schritt im Kleinen, führt zu Großem oder dem Tritt in Kuhmist.
 
Früher haben wir angestanden, stundenlang.
In Horden und Banden, haben unsere Wunden zu Klang
werden lassen, als würde durch morgen und Handeln allein alles rund und ein Anfang.
 
Früher haben wir in Schlangen gestanden für Schallwellen in Plastik gepresst,
als würden wir nur hier verstanden, als wäre unser Leben nur von Musik verbessert.
Wir wollten entwischen und etwas fühlen, berührt werden von Musik tief drinnen.
Und heute warten sie in Schlangen, sitzen sie auf Tischen und Stühlen
und wollen wischen und berühren
wie von Sinnen,
ein Ding, das nur weiß als Farbe nicht als Antwort tief drinnen.
 
Ich lauf durch die Straßen, mit nassem Schuh, und diesen Gedanken tief drin.
Aber eigentlich frag ich mich nur: wo ist der Zauber eines Veröffentlichungstages hin?

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