bye out

Es gibt Momente, in denen ich eine Vorstellung davon habe, was Hermann Scherer mit Zuvielisation meinen könnte oder Peter Jentschura mit Zivilisatose. Oder ich habe ein schattenhaften Bild, was Eddie Vedder alles auch sagt, wenn er singt I think I need to find a bigger place // ‘cos when you have more than you think // you need more space.
Oder kriege eine Idee, was Selim Özdogan damit meinen könnte, dass dieses System die Satten hungrig machen soll und nicht die Hungrigen satt.

Aber dieses eine Sonderangebot, diese eine Onlineauktion, dieser eine Preisvergleich und diese andere Dinge, von dem ich noch nicht weiß, wo ich sie hinstelle … ist doch noch erlaubt, oder?

verschiedenes XXVI

a) Herr Zitiert

Es gibt viele Arten, zu vergessen.
Eine ist, sich zu erinnern.

b) roarviewmirror

Es war das Abschiedskonzert einer der Bands. Wie man so sagt: mit denen ich aufgewachsen bin. Keine genaue Ahnung wie oft ich sie live gesehen habe. 15, 20 mal. Wer zählt das schon. Wir sind bis an die Küste hoch gefahren. Und runter bis an die Berge. Ein ganzes Festival, nur weil sie dort spielten.
Und nun: das Abschiedskonzert. Und während ich eigentlich weiter vorne im Mosh-Pit sein sollte, starre ich auf den Typen der neben mir steht. Wahrscheinlich nicht einmal unauffällig. Er guckt zurück. Es dauert eine Weile, bis ich das mitkriege. Ich bin so in meine Fragen verstrickt. Woran merkt man, dass man zu alt ist für diese Konzerte? An Typen, die neben einem stehen und Hörgeräte tragen? Ich grübble noch eine Weile, während er wahrscheinlich schon seine Antwort gefunden hat.
Man merkt es an Typen, die einen anstarren, weil man Hörgeräte trägt. Während ihnen selbst zusammengerollte Tempos aus den Ohren gucken.

verschiedenes VI

1. Sie & Er

Im Hintergrund läuft leise eines der Lieder, die leise im Hintergrund laufen. Sanft bewegen sie sich dazu.
- Das kenne ich, sagt sie.
- ..?…
- Scorpions
- Naja, fast, ist von den Eagles..
- Egal, die pieken doch auch..

2. Er & Sie

In der U-Bahn sitzen beide nebeneinander. Sie ist in ihre Zeitung vertieft, seine Lektüre liegt auf seinem Schoß. Trotzdem folgen seine Augen den Linien und Wogen von Worten.
Als sie endlich mit einem Teil ihrer Zeitung fertig ist, sieht sie ihn an, reicht den Teil in seine Richtung, nickt und lächelt.
Er läuft etwas rot an und senkt den Blick auf seine Zeitung. Ihre Augen folgen seinem Blick und lassen sein Gesicht noch mehr erröten. Während sie immer noch lächelnd und er sich-ertappt-fühlend auf seine Zeitung sieht, auf die Seite mit der nackten Frau des Tages.

3. Sie & Sie und irgendwie alle anderen er’s

- Wie ist das so, zu wissen, dass alle Männer einen wollen?!
- Wieso? Sind doch bloß Männer!

aus mEine schöne Bescherung

4. …

Gewißheit konnte nur einer haben, der selbst von großer Dauer war, wie die Sterne, die Berge oder das Meer. Und die hatten wiederum keine Worte, um auszusagen, was sie aus langem Bestand wußten. In diesem Punkt gab es mehr Freiheit, als man sich wünschen konnte. Das Richtige konnte man schon tun, aber es war immer möglich, dass alle anderen es für das Falsche hielten. Sie konnten sogar recht haben.

aus Die Entdeckung der Langsamkeit von Stan Nadolny

.frei

Ich könnte ihr ja was von eisernem Willen erzählen, von Stärke, Durchhalten und so. Aber wenn es doch einfach nur geschehen ist? Wie ein Plopp.
Wie sie mich so ansieht, kommt mir wieder das Bild vor Augen, als mich meine Mama mit einem ähnlichem Lächeln ansah. Abwartend, schätzend.
- Ich habe geträumt, dass du rauchst, sagte sie zu mir.
Später ist mein Vater in mein Zimmer gekommen. Er stand eine Weile am Fenster und sah hinaus. Irgendwann dreht er sich um und ging einfach wieder. Damals hat er noch selbst geraucht.

Was soll ich ihr nun sagen, wenn sie mich fragt, wie ich aufgehört habe?
Ich war auf dem Weg zur S-Bahn, wie so oft viel zu spät. Ich musste rennen, um die Bahn noch zu erwischen. Und trotzdem musste ich, ich musste eine Zigarette anzünden. Wie bescheuert muss man sein?, fragte ich mich. Das war meine letzte Zigarette. Seit ein paar Jahren.

Aber selbst das wäre nur die halbe Wahrheit. Auch, wenn sie die andere Hälfte nicht weiter bringen wird. Davor habe ich immer einfach so aufgehört. Zigarette aus und Ende.

Und somit bleibt es wohl bei beiden Wahrheiten und einem Satz, den Mark Twain mal gesagt haben soll.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.